Neunzehntes Tagebuch

 

von Heinrich Wellner

 

Zweimal fünf Wochen Sri-Lanka



 

Frühjahr und Herbst 2019


 

Es ist dies erst das zweite Mal, dass ich für mein Sri-Lankaprojekt zwei Mal in einem Jahr nach Sri-Lanka fliege um Steinhäuser für arme Familien, die in Bretterbuden oder Palmhütten leben zu bauen.

Alle Häuser die ich bisher bauen ließ, haben noch den gleichen Bauplan wie die ersten Häuser die ich 2004 bauen ließ. Nur sind die Häuser heute an zwei Wetterseiten verputzt. Was ganz wichtig ist, alle Häuser haben 50 cm Fundament im und über dem Boden, so dass auch bei stärkstem Regen kein Regenwasser in das Haus laufen kann. Hier in Sri-Lanka wird am Bau alles in Fuß gemessen und zu Hause werde ich immer wieder gefragt, wie groß die Häuser eigentlich sind. Ich habe mir dieses Mal extra von zu Hause ein Metermaß mitgebracht. Also, die Maße sind 5.5 auf 6,5 Meter; sind 35,75 qm.

Da ich diesmal „nur“ fünf Wochen in Sri-Lanka bin, habe ich mit Nilushan vereinbart, dass er die Grundsteinlegungen bei allen Familien schon vornimmt und auch mit dem Bauen der Häuser beginnt.

Nilushan hat bei der Familie bei der ich letztes Jahr ein Haus gemietet habe nachgefragt, ob das Haus für meinen ersten Termin am 8. April für fünf Wochen frei ist. Leider ist dieses Haus in dieser Zeit schon vermietet, so dass ich mich um eine andere Wohnung kümmern muss.

Achmed, ein Deutscher, der Pilot bei Sri-Lanken-Air-Lines ist, und auch in Negombo wohnt, mit dem ich schon viele Jahre befreundet bin, habe ich von meinem Wohnungsproblem erzählt. Ich solle mir keine Gedanken machen er will sich darum kümmern. Schon nach zwei Wochen mailt mir Achmed einige Bilder von einem ganz nettem Haus und auch von dessen Inneneinrichtung. Achmed hat auch schon den Preis für fünf Wochen ausgehandelt und einhundert Euro angezahlt.

Am 8. April startet mein Flieger von Frankfurt über Doha nach Colombo. Ankunft ist 09.04. um 9 Uhr 55. Mit Nilushan habe ich telefoniert er wird mich am Flughafen abholen. Vom Flughafen bis nach Negombo sind es mit dem Auto nur ca. zwanzig Minuten.

 

Jedes Jahr wenn ich in Sri-Lanka bin besuchen mich auch immer wieder Gäste die sich für mein Projekt interessieren. 2011 waren es 21 Personen und letztes Jahr 2018 waren es 15 Personen. Alle bleiben 2 Wochen und machen in dieser Zeit auch eine viertägige Rundreise, um etwas von der singhalesischen Kultur und der wunderschönen Landschaft zu sehen.

Für meine Gäste gibt es für diese zwei Wochen keine Langeweile. Schon am Tag ihrer Ankunft besichtige ich mit den Gästen den Fischmarkt, mit der Größte in Sri Lanka, und einige Baustellen.

Wir fahren auch jedes Jahr in ein Behindertenheim südlich von Colombo, das ich auch schon viele Jahre mit Geld, Lebensmittel und Kleiderspenden unterstütze. Dazwischen sind Grundstein- legungen und Hausübergaben. Donnerstags vor Abreise der Gäste ist auch jedes Jahr ein Dankgottesdienst.

Für den Flug nach Sri-Lanka haben alle Gäste 30 kg. Freigepäck.

Für einen vierzehntägigen Aufenthalt reichen normal 20 kg. und so kann ich meinen Gästen je acht bis zehn Kilogramm Kleidungsstücke, Modeschmuck oder gebrauchte Armbanduhren mitgeben. So waren das letztes Jahr unter anderem zweihundert neue Shirt für Frauen, noch mit den Preisschildern daran. Das ist etwas ganz besonderes, neue Kleidungsstücke aus Deutschland.

Da dieses Mal nur eine Familie, Familie Pocsay, nach Sri-Lanka kommt, habe ich auch keinen Modeschmuck und Armbanduhren zum verteilen. Ich werde für jede Familie ein Lebensmittelpaket kaufen und bei der Hausübergabe an die Familie übergeben.

Familie Pocsay macht zuerst eine neuntägige Rundreise und kommt dann für vier Tage nach Negombo. Beide möchten zwei Familien kennen lernen denen sie letztes Jahr ein Haus gestiftet haben.

 

Mit einer halben Stunde Verspätung landet mein Flieger um 10 Uhr 30 auf dem Flughafen in Colombo. Mit einem Blumenkranz aus Orchideen begrüßt mich Nilushan in der großen Wartehalle im Flughafen. Schon eine halbe Stunde später sind wir vor dem Haus das Achmed für mich angemietet hat. Es ist genau so wie es Achmed mir beschrieben hat. Klein aber fein. Die Vermieterin führt mich durch die Wohnung, es gibt nur eine A.C. in der Wohnung, im Schlafzimmer. In der Küche fehlen einige Sachen, die ich selbst besorgen werde. Ich glaube die Wohnung wurde schon zwei Tage nicht gelüftet und es sind gefühlte vierzig Grad in allen Räumen. Es ist zur Zeit in Sri-Lanka so heiß wie schon lange nicht und das Radio meldet laufend, Kinder und alte Leute sollen in der Mittagszeit ihre Häuser nicht verlassen. Als Nilushan mich am Flughafen abgeholt hat haben wir unterwegs schon zwei Karton mit Trinkwasser gekauft. An den ersten beiden Tagen habe ich acht Liter Trinkwasser verbraucht.

Am Nachmittag gehe ich als Erstes Geldwechseln, der Wechselkurs ist schlechter als letztes Jahr. Schon solange ich nach Sri-Lanka komme, das hat es noch nicht gegeben, dass der Euro im Folgejahr gegenüber dem Rupie gefallen ist.

Nilushan besorgt mir auch wieder einen Donke (Stik) damit ich mit meinem Laptop auch ins Internet komme.

Um die Familien, die ein neues Haus bekommen, zu besuchen vereinbaren wir nur morgens um acht Uhr oder am Nachmittag nach fünf Uhr zu fahren, es ist einfach zu heiß. Selbst die Arbeiter am Bau wollen in der großen Hitze nicht arbeiten.

 

Donnerstag: 11.04.

Nilushan kommt mich um 17 Uhr abholen und wir fahren nach Pittipana um die ersten sechs Baustellen zu besuchen. Bei vier Häusern muss noch das Gebälk und der Fußboden gemacht werden. Die nächsten beiden Häuser sind fast fertig hoch gemauert. Es sieht recht gut aus. Nilushan hat gut vorgearbeitet.

 

Sonntag: 14.04.

Es ist Heute wieder ein richtig heißer Tag. Um 18 Uhr mache ich meine Wohnung dicht und gehe zu einem Restaurant, das nur etwa vierhundert Meter weit entfernt ist. Als ich wieder zurück in meine Wohnung komme, sind es in allen Räumen gefühlte vierzig Grad, ich will noch mit meinem Laptop arbeiten. Der Laptop geht an bis die Stelle kommt: Anmelden. Als ich diese drücke geht der Laptop aus. Das probiere ich fünfmal. Immer das Selbe, der Laptop geht aus. Ich schecke den Akkustand, nichts; der Akku ist voll geladen.

Dann packe ich meinem Laptop in ein Handtuch und lege diesen eine viertel Stunde in den Kühlschrank. Siehe da, der Laptop arbeitet wieder, dem geht es wie mir, dem ist es zu warm in meinem Wohnzimmer. Ich kaufe mir für fünfundzwanzig Euro einen kleinen Computertisch stelle den in mein Schlafzimmer wo ich AC habe und mein Computer und ich können bei angenehmen Temperaturen arbeiten.

 

Es ist Ka-Woche und Hindus und Buddhisten feiern diese Woche auch ihr Neujahrsfest. Viele Geschäfte und Restaurants sind geschlossen. Auch die Arbeiter am Bau, die Schreiner und Dachdecker wollen feiern. Damit habe ich nicht gerechnet, eine Woche steht alles still. Mir fehlt eine ganze Woche. Mit Nilushan besichtige ich in dieser Zeit die letzten sechs Baustellen, es sieht alles recht gut aus aber nur an einer der sechs Baustellen wird gearbeitet.       

 

Karfreitag 19.04.2019

Schon Gestern hat mir Chandani gesagt, sie will morgen Lunchpakete kaufen und diese um zwölf Uhr zur Kirche bringen und an ganz arme Leute verteilen. Das ist hier Tradition. Ich sagte zu ihr, ich möchte mich mit fünfzehn Lunchpakete beteiligen. OK meinte sie, dann fahren wir zu einem Wallfahrtsort ca. zwanzig Kilometer von hier, da kommen am Karfreitag tausende Leute um zu beten, darunter viele Streetpeobel. Am Freitagmorgen kaufen wir fünfzehn Lunchpakete, das ist gekochter Reis mit Gemüse und Hähnchen, fünfzehn Joghurt und fünfzehn Flaschen mit Wasser. Wir fahren etwa vierzig Minuten mit dem Tuk-Tuk bis zu dieser Kirche. Die Kirche steht mitten in einem Friedhof. Chandani geht zuerst beten und dann bestellt sie fünfzehn Leute an die Straße wo unser Tuk-Tuk-Fahrer wartet. Als sie anfängt zu verteilen kommen aus allen Ecken die Leute angerannt und es entsteht ein richtiges Chaos das nicht aufzulösen ist. Chandani wird fast erdrückt bis alles verteilt ist und die Schwächsten beschweren sich sie haben nichts abbekommen.

 

Ostersonntag: 21.04.2019

Chandani wird um 9Uhr30 von ihrem Sohn angerufen es gab ein Bombenattentat in Negombo in einer Kirche. Man spricht von zehn Toten. Dann kommen immer mehr Anrufe von ihren Bekannten, jeder weiß was Neues aber nichts Genaues. Die Kirche in der das Attentat geschah ist etwa zwei Kilometer von meiner Wohnung entfernt. Zuerst mache ich mir nicht allzu viele Gedanken, die Leute hier neigen sehr zu Übertreibungen. Dann überschlagen sich die Nachrichten. Sechs Bombenanschläge in Colombo, in drei großen Hotels und in drei christlichen Kirchen, es ist Ostersonntag und die Kirchen sind voller Gläubigen. In der Kirche hier in Negombo gab es die meisten Toten, mehr als einhundertzwanzig und ein paar hundert verletzte.

Dann ruft mich mein Sohn Peter an, er hat schon die Nachricht und Bilder im Internet gesehen, er möchte wissen wie es mir geht, ich kann ihn beruhigen, mir geht es gut.

Dann sehe ich auch im Internet nach. Zuerst spricht man von achtzig Toten und fünf Bombenanschläge. Mittlerweile sind es acht Bombenanschläge fast zweihundert Tote und mehr als vierhundert Verletzte. Im Radio, Fernsehen und Internet gibt die Polizei in Sri-Lanka bekannt, ab achtzehn Uhr ist Ausgangssperre im ganzen Land.

Schon nach den ersten Nachrichten habe ich meine Familie in Deutschland informiert, dass mir nichts passiert ist und dass es mir gut geht. Heute Ostermontag sind es mehr als dreihundert Tote und über fünfhundert Verletzte.

 

Dienstag 23.04.2019

Ich muss zum Einkaufen. Man spürt die Trauer in der Stadt, alle öffentlichen Gebäude, die Banken, viel Geschäfte und alle Kirchen sind geschlossen und überall patrolliert Militär. Die Farbe der Trauer in Sri-Lanka ist weis. So sieht man an vielen Gebäuden weise Fahnen, auch viele Autos und Tuk-Tuk fahren mit weisen Fähnchen. Mein Tukfahrer sagt allein in Negombo gab es einhundertsiebzehn Tote.

Was ist mein Problem jetzt so klein, vorige Woche war Neujahrsfest der Hindus und Buddhisten, dann der Karfreitag, auch hier ein großer Feiertag, wo nicht gearbeitet wurde und jetzt dieses große Attentat. Es ist Staatstrauer auch die Schulen sind geschlossen. Alle Geschäfte der Moslems sind geschlossen und teilweise verbarrikadiert, die Moslems haben Angst vor Racheakten der Christen. Schon seit elf Tage wird an keiner Baustelle gearbeitet. Im Moment weis niemand wie es weiter geht.

 

Mittwoch 24.04.2019

Mit einen Tuck-Tuck hole ich Familie Pocsay an ihrem Hotel ab, wir wollen ihre beide Familien besuchen. In einem Supermarkt kaufen wir noch für jede Familie als Gastgeschenk: zehn Kilogramm Reis, ein Kilogramm Zucker, ein Kilogramm Linsen und ein Paket Sojameet. Inge, Frau Pocsay, hat auch noch ein paar Geschenke aus Deutschland mitgebracht die sie unter den Familien verteilt. Nilusan hat uns einen Tag zuvor schon angemeldet und so ist auch die ganze Familie zu Hause und wir werden jeder mit einem Blumenkranz empfangen. Wir verteilen unsere mitgebrachten Geschenke und Alexander erkundigt sich über den Familienstand. Wie viele Leute leben in diesem Haus, was arbeitet der Vater und die Söhne und wer geht noch zur Schule.

Auch bei der zweiten Familie ist der Empfang sehr herzlich, die Mutter ist mit ihrer achtjährigen Tochter allein zu Haus, der Vater arbeitet. Als wir letztes Jahr dieses Haus gebaut haben war die junge Frau hoch schwanger und jetzt hat sie einen vier Monate alten Sohn.  Familie Pocsay war ganz aus dem Häuschen, auch sie haben ein vier Monate altes Enkelkind. Da wurden viele Bilder gemacht. Alexander wusste im nu die Namen der ganzen Familie und hat diese auch zwei Tage später noch gewusst. Auf einem Tisch steht eine sehr tolle Nähmaschine mit viel Zubehör. Die junge Frau näht für andere Leute. Sie selbst hat einen schönen schwarzen Spitzenrock an und Inge fragt ob sie einen solchen auch für sie in zwei Tagen machen kann. Das sei kein Problem der kann schon morgen Nachmittag fertig sein und sofort wird Maas genommen. Dann bringt die Mutter der jungen Frau noch einen Cocosnusskuchen frisch aus dem Ofen, sehr lecker. Wir waren bestimmt eine ganze Stunde bei dieser netten Familie und es wurde auch viel gelacht.

Anschließend fahren wir noch zu zwei Baustellen. Das eine Haus ist fertig, es müssen nur noch die Fenster und die Türen eingebaut werden. Die Fenster und Türrahmen sind schon mit eingemauert. Der Schreiner habe ein Problem mit dem richtigen Holz.

Am zweiten Haus wird gerade der Außenputz angebracht. Ansonsten ist es soweit fertig wie das erste Haus. Inge und die Hausfrau, die dieses Haus bekommt verstehen sich auf Anhieb und unterhalten sich prächtig. Da die Familie Pocsay schon Übermorgen abreist wollen wir noch vorher zwei Hausübergaben machen, darunter auch dieses Haus. Alexander fragt mich hat dieses Haus schon einen Namen. Im Grunde ja, aber da der Stein mit dem Namen des Spenders noch nicht eingemauert ist, ist es auch kein Problem das zu ändern. Gut meint Alexander, dann möchten wir dieses Haus dieser Familie spenden. So wird auf dem Namensschild stehen gestiftet: Inge und Alexander Pocsay. Übermorgen um neun Uhr soll schon die Hausübergabe sein.

Abends um sechs Uhr kommt Nilushan zu mir er braucht unbedingt die Bilder die wir Heute gemacht haben, er will noch ein großes Plakat machen lassen mit Inge und Alexander darauf. Es soll eine Überraschung sein. Und tatsächlich es klappt. Als wir zwei Tage später von der Familie mit einem Blumenkranz empfangen werden steht vor dem Haus ein großes Plakat mit dem Bild der Beiden darauf, auch die Marmortafel mit ihrem Namen ist fertig und eingemauert aber noch abgedeckt. Inge darf das Band vor der Haustür mit einer Schere durch schneiden und der Hausfrau den Haustürschlüssel übergeben. Als erster betritt die Familie das Haus und dann folgen die Spender, die zuvor noch die Marmortafel von der Abdeckung befreit haben. Zuerst wir gesungen, gebetet dann hält Nilushan noch eine kurze Rede, er klärt die Familie über die Spender auf. Danach folgt die Zeremonie mit dem Milchtopf. Auf einem Tisch mit Zeitungen abgedeckt ist ein Büffet aufgebaut. Ich darf das Büffet eröffnen. Es werden noch viele Bilder gemacht und wir unterhalten uns noch eine halbe Stunde, dann müssen wir noch den Rock abholen den Inge vor zwei Tagen bestellt hat. Beide fliegen Heute noch zurück nach Deutschland.

Inge ruft mich noch vom Flughafen an, sie haben fast zwei Stunden gebraucht an der Autokontrolle vor dem Flughafen. Also muss man genügend Zeit einplanen wenn man zurück fliegen will.

 

Samstag: 04.05.2019

Mittlerweile habe ich sechs Häuser übergeben. Auch die anderen sechs Häuser sind fast fertig. Das große Problem sind die Fenster und die Türen, die noch eingebaut werden. Es fehlt an den Türen und Fenstern die Beschläge.

Wegen der Attentate hat der Kardinal von Sri-Lanka die Regierung gebeten alle Häuser in Negombo in denen Moslems wohnen zu durchsuchen. Das wird wieder neue Probleme geben. Auch alle Bankkonten werden überprüft. Vor ein paar Tagen habe ich Geld bei einem Monychanger gewechselt. Das gibt kein Problem. Das Geld habe ich Nilushen gegeben. Er hat das Geld zu Hause aufbewahrt, er getraut es nicht zur Bank zu bringen. Heute gegen Abend kommt Nilushan zu mir, in dem Viertel in dem er wohnt sind Haus zu Haus Kontrollen, das ist wieder ein großes Problem. Er hat das Geld dabei, ich soll es für zwei Tage aufbewahren dann kann ich ihm das Geld wieder geben.

Er bezahlt alle Rechnungen und die Arbeiter in bar, nicht wie sonst über ein Bankkonto. Es ist schon eine Scheiß Situation hier. Letzte Nacht wurden hier in der Nähe etliche Schaufenster= scheiben von den Geschäften der Moslems zertrümmert. Heute Nacht sind die Christen rumgezogen und hatten randaliert, es gab auch einen Toten. Es ist wie im Krieg.

 

Mittwoch: 08.05.2019

Bis Heute habe ich zehn Häuser übergeben. Die letzten Beiden werden am Samstag fertig sein. Bei den letzten Hausübergaben war auch jedes Mal ein Priester dabei.

Als ich Heute kurz vor zwölf Uhr nach Hause kam, sah ich ein Wasserglas mit einer gelben Flüssigkeit neben dem Kühlschrank auf dem Boden stehen. Ich fragte die Chandani was das bedeuten soll. Sie sagt mir, schon fünf Tage, jedes Mal wenn sie in dieses Haus kommt, bekommt sie Kopf und Gliederschmerzen. Die Mutter meiner Vermieterin ist schon vor ein paar Jahren verstorben. Ihr Geist lebe immer noch in diesem Haus und das sei ihr Problem. Mit dieser Flüssigkeit will sie den Geist der alten Frau vertreiben. Ich glaube ich spinne. Ich weis auch nicht welche Flüssigkeit in dem Glas ist. Mit keinem guten Wort lässt sie sich von ihrer Meinung abbringen. Ich lasse sie in ihrem Glauben, hoffentlich hilft es. Chandani ist katholisch und geht auch zwei Mal in der Woche zur Kirche.

 

Samstag:11.05.2019

Ich bin froh wenn die letzten beiden Häuser übergeben sind und ich nach Hause fliegen kann.

 

Ich konnte im Frühjahr dieses Jahres:

12 Häuser bauen und übergeben.

Einer Familie für einen Anbau

Material kaufen und übergeben  120.000. -Rps

4 Betten mit Matratze kaufen und übergeben.      120.000.-Rps.

35 Lunchpakete kaufen und verteilen 8.400.-Rps.

Ca. 120 kg. Lebensmittel kaufen und bei Hausübergaben verteilen,

 

 

Meine zweite Tour für dieses Jahr nach Sri-Lanka.

 

Mittwoch:02.10.2019

Ankunft in Sri-Lanka um 8Uhr30. Ich bin dieses Mal mit Emirates über Dubai nach Sri-Lanka gekommen. Eine sehr gute Air-Line. Aufenthalt in Dubai 3 und eine ½ Stunde. Nilushan hat mich am Flughafen mit einem Blumenkranz empfangen. Noch einen Tag vorher habe ich mit ihm telefoniert und er sagt mir halb im Scherz, deine Wohnung die du angemietet hast, hat einen Schwimingpool im Garten. Als wir vor dem Grundstück ankommen sehe ich das Problem. Im Hof und Garten steht das Wasser bestimmt 30 Zentimeter hoch. Es hat schon drei Tage lang stark geregnet und das Wasser kann so schnell nicht ablaufen, es versickert im Boden und da es schon einige Tage geregnet hat ist die Erde voll gesogen und das Wasser kann nicht versickern oder ablaufen. Es gibt keine gute oder auch gar keine Kanalisation. Meine Vermieterin hat mit Backsteinen einen Weg gebaut bis zu meiner Wohnung. Das Problem die Steine liegen fast einen halben Meter auseinander. Zum Glück habe ich meine zwei Krücken dabei und ich kann so über die Steine balangsieren. Nilushan bringt mir mein Gepäck, er geht durch das Wasser. Jenny meine Vermieterin hat die Wohnung gelüftet und so ist es im Haus angenehm. Da es schon drei Tage geregnet hat und wenig Sonne scheint ist es auch nicht so heiß.

Chandani, mein Hausmädchen, kommt eine Stunde nach mir und bringt frische Früchte und eine Tasche mit Bettüberzug, Hand und Badetücher. Die Jahre vorher überlasse ich alle diese Sachen Chandani. Da ich dieses Jahr nur fünf Monate weg war, habe ich Chandani gebeten alles in die Reinigung zu geben und für mich aufzuheben. Dann habe ich weniger Gepäck und kann etwas anderes mitnehmen.

Nilushan kommt am späten Nachmittag und wir besprechen das Programm für die nächsten Tage. Vorher war ich schon einkaufen mit Chandani und Geld wechseln. Der Wechselkurs ist drei Rupies besser als vor fünf Monaten.

 

Freitag 04.10.2019

Nilushan informiert mich. Bei zehn Häusern war schon Grundsteinlegung und an den meisten Baustellen ist das Fundament schon fertig. Wir wollen Heute drei Baustellen besichtigen und ich werde die Familien kennen lernen. Wegen dem vielen Regen konnte die letzte Woche nicht gearbeitet werden. Bei mir im Hof steht das Wasser nur noch 20 Zentimeter, wenn es trocken bleibt ist das Wasser in zwei Tagen weg.

 

Samstag: 05.10.2019

In der Nacht werde ich wach vom starken Regen. Im Hof ist wieder der alte Wasserstand. 

Mit Nilushan fahre ich zu der Kirche, in der an Ostersonntag das schlimme Attentat war mit 115 Toten. Diese Kirche ist nur etwa 2 Kilometer von meiner Wohnung entfernt. Mann stelle sich vor eine Kirche so groß wie die St. Hildegardskirche in St. Ingbert. Das Dach dieser Kirche war durch die heftige Explosion eingestürzt. Daher auch die vielen Toten. Die Kirche ist schon ganz renoviert und es wird auch wieder die heilige Messe abgehalten. Was mir sofort aufgefallen ist, ist das viele Militär vor und um die Kirche. Alle Kirchenbesucher werden kontrolliert und müssen ihren Ausweis zeigen.

Unterwegs sind wir an anderen Kirchen vorbei gefahren, das gleiche Bild. Nilushan erklärt mir, in der Woche werden so auch die Schulen abgesichert. Auf dem Heimweg halten wir am größten Hotel von Negombo und Nilushan zeigt mir, an der Einfahrt zum Hotel steht ein Gepäckscanner, so wie wir ihn vom Flughafen kennen. Das Problem ist also noch nicht ganz beseitigt, es schwelt noch im Untergrund und die Leute hier sind sehr verunsichert.

 

Dienstag: 08.10.2019

Endlich hat meine Hauswirtin etwas unternommen wegen dem hohen Wasserstand im Hof. Sie hat gestern zwei Arbeiter bestellt die mit einer Wasserpumpe das Wasser auf die Straße in den Kanal pumpen. Es nützt nicht sehr viel der Kanal ist auch randvoll. Im Hof steht das Wasser an manchen Stellen jetzt nur noch zehn Zentimeter hoch. Wenn es heute Nacht nicht regnet, kann ich morgen endlich mit trockenen Füßen zur Straße laufen.

Heute morgen um sechs Uhr, mein erster Blick in den Hof, es hat wieder geregnet und das Wasser hat jetzt Höchststand. Jetzt steht das Wasser auch auf der Straße schon zwanzig Zentimeter hoch.

Für um zehn Uhr habe ich einen Tuk-Tuk bestellt, ich muss zum Einkaufen. Ich ziehe meine kurzen Hosen an, ziehe die Schuhe aus und gehe durch fast kniehohes Wasser bis zur Straße auch auf der Straße muß ich noch zweihundert Meter durchs Wasser laufen zu meinem Tuk-Tuk, der würde in dem hohen Wasser absaufen. Erst im Tuk-Tuk kann ich meine Schuhe wieder anziehen.

Ein Glück es ist nicht kalt.

 

Mittwoch: 09.10.2019

Nilushan holt mich um zehn Uhr ab, er will mir zwei Familien vorstellen. Die Fundamente sind schon fertig. Es wird hier ja nicht so gearbeitet wie bei uns in Deutschland. Wenn das Fundament fertig ist werden die Türrahmen darauf ins Blei gestellt und es wird um die Türrahmen gemauert. Genau so wird es auch mit den Fensterrahmen gemacht. An der ersten Baustelle gibt es eine schöne Zeremonie. Das Fundament und der Ringanker sind fertig gemauert. Der Maurermeister stellt den Eingangstürrahmen auf das Fundament.




Mit einem Senkblei und einem Wasserschlauch

zum Nivelieren wird der Rahmen ins Blei gestellt und mit Seilen befestigt. An dem Türrahmen werden grüne Zweige befestigt und alles Handwerkzeug das man zum Bauen benötigt, wird hinter den Türrahmen gelegt. Die Hausfrau hat einen Topf mit Milch und einen Topf mit einer gelben Flüssigkeit vorbereitet und übergibt diese dem Maurermeister. Dieser bindet sich ein großes weises Tuch über Kopf und Schulter, stellt sich unter den Türrahmen und betet. Dann bestreicht er den Türrahmen mit der Milch und dieser gelben Flüssigkeit. Danach bespritzt er das ganze Fundament mit dieser Flüssigkeit.

Die Hausfrau hat wieder vorbereitet, eine Stielpfanne mit Glut, der Maurermeister schüttet Weihrauch darüber und segnet die Baustelle damit ab. Dann legt er das Werkzeug vor den Türrahmen, stellt sich unter den Türrahmen, in beiden Händen der Milchtopf und betet wieder. Dann lässt er den Milchtopf auf die Stufe vor der Tür fallen, so dass dieser in hundert Stücke zerbricht. Während der ganzen Zeremonie haben die Familie und die Freunde der Familie leise Kirchenlieder gesungen.

Ich habe nachgefragt, was diese Zeremonie bedeutet, habe aber keine befriedigende Antwort bekommen. Nilushan verspricht mir er will sich um eine richtige Antwort bemühen.  

Die Scherben von dem Milchtopf werden hinter dem Türrahmen im Fundament eingegraben. Im Nachbarhaus ist ein kleines Büffet vorbereitet. Ich darf wie immer das Büffet eröffnen, auch die Arbeiter von der Baustelle sind eingeladen.

Donnerstag: 10.10.2019

Ich war auf dem Fischmarkt zum Einkaufen. Schon am Eingang vom Markt sehe ich es gibt heute viele Fische, demnach wird auch der Fisch heute preiswert sein.

Ich kaufe:

I,5 kg. große Shrimps für  1.800.-Rps.       9,00.- €

1.4 kg. junger Shark für             1.400.-Rps.       7,00.- €

5 St. handtellergroße Fische      1.000.-Rps.      5,00.- €

Das reicht aber für eine Woche.

 

Warum ich so viel kaufe? Chandani kocht für uns beide zum Mittag und noch für sich und ihre drei Kinder zum Abendessen. So kocht sie täglich für fünf Personen.

Preiswert ist alles Gemüse, Obst und die Grundnachungsmittel, wie Reis, Linsen und Nudeln. Kartoffeln werden hier gekocht als Gemüse. Im kühleren Hochland wird alles Gemüse angebaut wie bei uns in Deutschland.

Sehr teuer sind alle Milchprodukte, da diese importiert werden müssen.

 

Freitag: 11.10.2019

Da ich am Sonntag in das Behindertenheim und nach Molligoda fahren will muss ich heute die Lebensmittel bestellen, die ich jedes Jahr dort abgebe. Am Sonntag ist Vollmondtag, alle öffentliche Ämter und die meisten Geschäfte sind geschlossen. Es gibt auch keinen Alkohol zu kaufen und in den meisten Hotels wird auch kein Alkohol ausgeschenkt. Wenn man in einem Einheimischen Lokal trotzdem ein Bier trinken will, gibt es einen besonderen Servis.

Der Wirt schenkt das Bier in eine Kaffeekanne und stellt auch eine Kaffeetasse dazu. Wenn der Wirt beim Ausschenken von Alkohol erwischt wird kann er seine Lizenz für Alkohol verlieren. Aber auch da gibt es Hintertüren, am Meisten wirkt Schmiergeld. Da die Gehälter der Beamten und der Polizei nicht groß sind hilft eine kleine „Spende“ immer. Einmal, ich war mit meinem Fahrer unterwegs und er wurde angehalten wegen zu schnellen fahren. Der Polizist hat die Autopapiere verlangt, vorsichtshalber hat mein Fahrer zwischen seinen Papieren immer einen Geldschein stecken, den hat der Polizist unauffällig heraus genommen und zu meinem Fahrer gesagt fahre aber nächstes Mal nicht wieder so schnell.

In einem Supermarkt bestelle ich für das Behindertenheim:

100 kg. Reis, 50 kg. Zucker und 50 kg. Linsen.

Für das kleine Dorf Molligoda für 23 Familien: 130 kg. Reis,

23 kg. Zucker, 23 kg. Linsen und 23 Päckchen Tee.

 

Sonntags ist im Behindertenheim immer ein Gottesdienst für die Heimbewohner aber oft an unterschiedlichen Zeiten, gerade so wie der Priester frei hat, er betreut auch noch andere solche Einrichtungen,

Nilushan ruft für mich im Heim an, um wie viel Uhr der Gottesdienst am Sonntag ist, damit ich weis, um wie viel Uhr ich hier wegfahren muss. Es sind nur ca. achtzig Kilometer, aber selbst über die Autobahn brauchen wir zweieinhalb Stunden.

Die Lebensmittel im Supermarkt hole ich am Samstagnachmittag mit meinem Fahrer ab, ich kann diese Sachen im Auto lassen und so können wir am Sonntagmorgen um halb acht losfahren. Der Gottesdienst ist um halb elf, da bleibt noch Zeit für unterwegs einen kurzen Kaffeestopp.

 

Sonntag: 13.10.2019

Meine Vermieterin, der ich von meiner Hilfe im Behindertenheim erzählt habe, hat mich gefragt, ob sie mit ihrer Tochter mitfahren kann, sie habe so etwas noch nicht gesehen. Da ich dieses Mal keinen Besuch aus Deutschland habe die mit in das Heim fahren ist es kein Problem, wir haben genügend Platz im Auto und ich habe etwas Unterhaltung und kann so auch mein singhalesisch etwas aufbessern.

Pünktlich um zehn Uhr sind wir im Marcsri-Home. Wir laden die Lebensmittel ab und Schwester Rita übergebe ich achtzigtausend Rupien gegen eine Quittung und die Lebensmittel. Es bleibt noch Zeit um vor dem Gottesdienst mit meinen Besuchern das Heim zu besichtigen. Jenny, so heißt meine Vermieterin, gebe ich einige Rosenkränze und Modeschmuck die diese im Frauentrakt verteilen kann. Für Tharushi die Tochter habe ich eine große Tüte mit Bonbon mitgebracht, die sie an alle Heimbewohner verteilen kann.

Mit einer viertel Stunde Verspätung beginnt der Gottesdienst. Es ist bewegend zu sehen mit welcher Inbrunst die Heimbewohner den Gottesdienst mitfeiern. Alle diese Heimbewohner sind körperlich oder geistig behindert. Wenn man durch das Heim geht, sieht man aber nur freundliche und zufriedene Gesichter. Diese Menschen unterstützen sich auch untereinander. Da wird einer der keine Arme hat von einem anderen gekämmt oder sogar rasiert. Ein Kind das verkrüppelte Arme hat wird von einem größeren Kind gefüttert. Ein junger Mann ohne Beine sitzt im Rollstuhl und spielt Geige und hat viele Zuhörer um sich sitzen. Es gibt viel Zuwendung für diese Menschen hier, Teils von den Helfern im Heim und auch von den Behinderten unter einander.

 

Als wir hier losfahren rufe ich bei Niroshan in Molligoda an, in einer halben Stunde werden wir ankommen, sie kann allen Familien bescheid sagen.

Der Empfang in Molligoda ist wie immer überschwänglich, Jenny staunt, da kommen einige junge Frauen angerannt und fallen dem Heinrich um den Hals und drücken ihn. Das ist in Sri-Lanka nicht üblich, ich bin da bestimmt eine Ausnahme. Für diese jungen Frauen habe ich Bilder mitgebracht die ich vor mehr als zwanzig Jahren hier am Strand gemacht habe, als diese Frauen noch kleine Kinder waren und am Strand gebettelt haben: Hallo Onkel, Bonbon, Bonbon. Es gab viel gelächter und die Bilder wurden hin her gezeigt.

Nirosha hat zwanzig Nummern an Familien verteilt und jede Familie bekam dafür auf diese Nummer 5 kg. Reis, 1 kg. Zucker, 1 kg. Linsen und ein Päckchen mit Tee. Jenny hat noch Modeschmuck und Karushi hat Bonbon an die Kinder verteilt. Ich hatte noch zehn Armbanduhren die ich an die Erwachsenen verteilt habe. Bei Nirosha`s Eltern haben wir noch eine Tamili (Kokosnuss) getrunken. Dann war es auch Zeit für den Heimweg. Unterwegs hat mir Jenny gesagt, diesen Tag wird sie in ihrem Leben nicht vergessen, besonders das Behindertenheim hat es ihr angetan. So ist es nun mal, selbst die Einheimischen wissen nicht, dass es solche Einrichtungen hier gibt.

 

Dienstag: 15.10.2019

Gestern hat Chandani in einem Restaurant fünfundzwanzig Lunchpakete und fünfundzwanzig kleine Flaschen Wasser bestellt für Menschen die auf der Straße leben. Für um zehn Uhr habe ich einen Tuk-Tuk bestellt und wir fahren zu diesem Restaurant um die Sachen ab zu holen. Da die Pakete noch nicht alle fertig sind kann ich sehen was der Koch alles in die Lunchpakete einpackt. Als erstes eine große Schüssel mit gekochtem Reis, einen großen Löffel mit grünen Bohnen, gekochte Linsen, gekochte Kartoffeln in einer Kokosnusssoße und ein Stück Fisch auch mit Soße. Das sieht richtig lecker aus und das ganze kostet zusammen mit einer kleinen Flasche Wasser, umgerechnet einen Euro.

Wir laden alles auf und fahren zu einer Kirche ca. zwei Kilometer von meiner Wohnung. Vor der Kirche und auf dem Weg zur Kirche sitzen Leute auf dem Boden und warten auf Spenden von den Kirchgängern. Ich hatte gestern auf kleinen Zetteln fünfundzwanzig Nummern geschrieben. Diese verteilt Chandani an die Leute und bestellt sie zu unserem Tuk-Tuk. Das Verteilen aller Pakete geht dann schnell und problemlos.

Am Abend ruft mich Achmed an, er ist Pilot bei Sri-Lanken-Air-Line. Seine Arbeitszeiten sind sechs Wochen fliegen und Bereitschaft, danach zwei Wochen frei. Achmed hatte Anfang diesen Monat Geburtstag und er will mich einladen zu einem Umtrunk am kommenden Donnerstag ab zwei Uhr.

Das wird ein harter Tag, aber aus Erfahrung sind wir doch um sieben Uhr zu Hause.

War halb so schlimm, ich hab mich sehr zurück gehalten und wie gedacht war ich um sieben Uhr zu Hause.

 

Donnerstag: 17. 10 2019

Nilushan holt mich um neun Uhr ab, wir wollen einige Baustellen besuchen und die restlichen Kuvert abgeben, die mir Bekannte aus Deutschland mitgaben für „ ihre“ Familien. Wir fahren auch zu den letzten beiden Familien, die ich noch nicht kennen gelernt habe. Eine dieser Familien hatte sich schon letztes Jahr um ein Haus beworben, hatte aber keine Kinder.

Bevorzugt werden als erstes allein stehende Frauen mit Kindern oder ein Elternteil ist behindert, dann junge Familien mit Kindern die nie eine Chance haben ein Haus zu erwerben.

Es regnet immer noch, aber nur am Abend. Am Bau kann also gearbeitet werden. Bei mir im Hof steht das Wasser immer noch dreißig Zentimeter hoch.

 

Freitag: 18.10.2019

Ab vier Uhr kübelt es wie aus Eimern, die Sicht ist fünfzehn Meter. Man kann sehen wie das Wasser im Hof oder auf der Straße steigt. Jennys Haus liegt etwas tiefer als das Haus in dem ich wohne. Der hintere Teil wo ihre Küche ist, ist noch mal zwanzig Zentimeter tiefer als der Wohnbereich, dort läuft das Wasser schon in ihre Küche. Auch auf der Terrasse vor dem Wohnbereich steht schon das Wasser. Sie ruft zwei Männer an, die tatsächlich bei diesem Regen kommen und ihren Wohnungseingang mit Sandsäcken ab dichten. Später sagt sie zu mir, es ist dies das erste Mal, dass sie so etwas erlebt. In meinen vielen Jahren in Sri-Lanka habe auch ich so etwas noch nicht erlebt.

Die Tuk-Tuk-Fahrer können nicht bis zu meinem Haus fahren. Der Motor säuft in dem hohen Wasser ab. Wenn Nilushan mich abholt, oder ich bestelle einen Tuk-Tuk, so muss ich etwa zweihundert Meter durch dreißig Zentimeter hohes Wasser bis zum Tuk-Tuk laufen. Seit zwei Tagen stolziert auch ein Fischreiher durch meinen „Pool“.

 

Sonntag: 20.10.2019

Nilushan holt mich um neun Uhr ab, wir wollen einige Baustellen kontrollieren. Es sieht alles recht gut aus. Es regnet meist nur abends und nachts, so kann über Tag gearbeitet werden. Als es am Freitag so stark geregnet hat, hat es den Mörtel aus einer frisch gemauerten Giebelwand herausgespült und die Giebelwand ist eingestürzt. Zum Glück ist niemand verletzt worden.

 

Mittwoch: 23.10.2019

Am kommenden Samstag ist der Dankgottesdienst um halb sechs Uhr in der Kirche in Sirivardana für mich. Der Priester der den Gottesdienst hält hat nächste Woche keine Zeit.

Nilushan und ich fahren Heute die Einladungen für diesen Gottesdienst aus. Viele Familien die schon ein Haus bekommen haben wohnen in anderen Vierteln und erfahren sonst nichts von dem veränderten Zeitplan. Dazwischen fahren wir auch einige Baustellen ab. Überall wird gearbeitet und ich denke Mitte nächster Woche werden die ersten Hausübergaben sein. Wir vereinbaren, ich werde mit einem Tuk-Tuk zur Kirche kommen und Nilushan fährt mich nach Hause.

 

Samstag: 26.10.2019

Ich habe gestern fünf Baustellen alleine abgefahren, ich denke wir werden bis zum achten November alle Häuser übergeben können. Nilushan war am Nachmittag noch bei mir, wir haben die Tafeln mit dem Namen der Spender nochmals überprüft.


Heute kurz vor halb sechs bin ich in Sirivardana vor der Kirche. In der Kirche sind alle Sitzplätze schon belegt und viele Leute kommen mit ihren Klappstühlen und sitzen im Nebengang. Ich muss am Ende vom Mittelgang warten. Dann stellen sich die Leute, die Gaben als Spende mitgebracht haben im Mittelgang auf. In ihren Tüten sind Lebensmittel jeglicher Art.  Als letzte in dieser Reihe steht ein Mann von World-Vision und ich. Saparavadu, so heißt der Mann, trägt ein Gefäß mit dem Messwein und ich darf den Kelch mit den Hostien tragen. Am Altar steht der Priester mit den Messdienern und nimmt die Gaben in Empfang und segnet jeden einzelnen. Die Gaben werden vor dem Altar abgelegt. Die Predigt ist zum Teil in englisch zum Teil in singhalesisch. So kann ich ein wenig verstehen.

Alle kommen nach dem Gottesdienst zu mir und bedanken sich mit Küsschen rechts und links. Oft sage ich, ich werde mir eine Woche nicht das Gesicht waschen. Das gibt natürlich viel Gelächter.

 

Montag: 28.10.2019

Mit Nilushan fahre ich die letzten Briefe, die ich aus Deutschland mitgebracht habe aus. In Pittipana in der Hautstraße, hält Nilushan an, vor einem Schneidergeschäft und erzählt mir die Erfolgsgeschichte der Inhaberin.

Vor vier Jahren wohnte diese Frau mit ihrem Mann und einem sieben Monate alten Kind in einer angemieteten Hütte in Pittipana. Für diese Familie haben wir 2015 ein Haus übergeben.

Damit war das größte Problem für diese Familie gelöst. Nun wollte diese Familie aber weiter kommen. Der Mann hat weiter als Hilfsarbeiter gearbeitet und die Frau hat sich einen Kredit bei einer Bank aufgenommen und diesen Raum an der Hauptstraße gemietet. Einen Teil der Kleidungsstücke kauft sie bei einem Großhändler, aber den größten Teil der Kleider näht sie selbst. Ihr Laden ist etwa fünfundzwanzig Quatratmeter groß, sehr sauber und schön eingerichtet. Ich finde so etwas ganz toll und ich habe dieser Frau zu ihrem Mut so etwas aufzubauen gratuliert.

 

Sonntag: 03.11.2019

Für Heute hat Nilushan eine Bootstour für mich organisiert. Er kommt mich um zehn Uhr abholen und wir fahren zu einem Fischer nach Pittipana. Für die Familie von diesem Fischer habe ich schon vor zehn Jahren ein Haus übergeben. Sein Haus liegt direkt an der Lagune und sein Boot ist hinter dem Haus festgemacht. Nilushan stellt einen stabilen Stuhl in das Fischerboot und ich kann einsteigen, was gar nicht so einfach ist, die alten Knochen sind doch etwas steif.

Wir fahren rund um die Insel Pittipana vorbei an kleineren Inseln und Mangroven. Es gibt sehr viele verschiedene Wasservögel und etliche Warane zu sehen, aber auch viele Schiffswrack noch vom Sunami aus dem Jahre 2004. Vom Boot aus erkenne ich auch viele Häuser die ich in den letzten Jahren übergeben habe. Es ist eine sehr schöne Tour und auch mal eine Abwechslung für mich.

 

Dienstag 05.11.2019

Ich habe ein kleines Problem und Nilushan hat ein großes Problem. Immer wenn ich über meinen Rückflug gefragt wurde sagte ich: Sonntag der neunte November. Ich habe letzte Woche mit meiner Schwester telefoniert und auch zu ihr gesagt, wir sehen uns am Sonntag den neunten November. Sie hat mich ausgelacht und mich verbessert, der neunte November ist ein Samstag. Sofort hab ich mein Ticket überprüft und tatsächlich ich fliege schon am Samstag zurück. Sofort informiere ich Nilushan. Die ersten Hausübergaben sind geplant für Dienstag. So haben wir nur noch vier Tage um zehn Häuser zu übergeben. Wegen dem vielen Regen in den letzten Wochen gab es doch einige Ausfälle, in der Ziegelei konnte nicht gearbeitet werden und die Zimmerleute konnten das Gebälk nicht legen und wie schon vorher geschrieben ist bei einem Starkregen eine Giebelwand eingestürzt. So sind wir schon etwas in Rückstand geraten und nun fehlt uns auch noch ein Tag.

 

Die ersten beiden Hausübergaben.

Um neun Uhr holt mich Nilushan ab, wir fahren nach Munakkara, wo die ersten zwei Häuser fertig sind. Wie immer werde ich mit einem Blumenkranz von der Hausfrau empfangen. Ich darf das Band vor der Haustür durchschneiden und übergebe der Hausfrau den Haustürschlüssel, sie darf die Haustür aufsperren und zusammen mit ihrem Mann und den beiden Kindern als erste das Haus betreten. Eine Oberschwester vom nahe gelegenen Convent übernimmt die Einsegnung des Hauses. Die nächsten beiden Hausübergaben sind geplant für morgen Mittwoch. Nilushan sagt er ruft mich heute Abend an, um wie viel Uhr er mich morgenfrüh abholt. Es gibt noch einiges zu tun an beiden Baustellen.

Bei einem Schreiner bestelle ich noch drei Betten und eine große Matratze für Familien die bisher auf Matten auf dem Boden geschlafen haben. Wir werden die Betten bei den Hausübergaben als Zusatzgeschenk liefern lassen.

An einigen Häusern ist der Fußboden betoniert, aber es fehlt noch der Glattstrich. Ich sage ihm, das kann er nachholen wenn ich schon weg bin. Dann müssen aber auch die Türen unten neu zugeschnitten werden.

 

Mittwoch: 06.11.2019

Zu den beiden Hausübergaben Heute kommt der Fotograf, der beim Dankgottesdienst schon so viele Bilder gemacht hat. Er bringt Schlüsselanhänger mit, mit meinem Bild darauf. So kann ich, bevor ich der Hausfrau den Haustürschlüssel übergebe, diesen am Schlüsselanhänger befestigen. Zu beiden Hausübergaben kommt Heute auch ein Priester.

Ich darf das Band das vor der Eingangstür gespannt ist durchschneiden und übergebe der Hausfrau den Haustür = schlüssel. Sie darf die Haustür aufsperren und als erste mit ihrer Familie das Haus betreten. Nach dem Priester kommen auch alle Verwandte und Freunde in das größte Zimmer. Zuerst wird gebetet und Kirchenlieder gesungen, dann segnet der Priester alle Eingänge und die drei Zimmer mit Weihwasser, das er in einer Plastikflasche mitgebracht.


In der Mitte in diesem Raum steht auf dem Boden, auf drei Backsteinen ein irdener Topf mit Milch. Es wird ein Feuer darunter gemacht und so die Milch zum Überkochen gebracht. So wie diese Milch überkocht, so soll immer Überfluss sein in diesem Haus. 

Auf einem Tisch unter Zeitungspapier ist ein kleines Büffet aufgebaut. Es gibt verschiedene frittierte Sachen, Fischbällchen,

Kuchen, diese kleinen süßen Bananen die so herrlich schmecken,

Milchreis in Würfeln, dazu passt sehr gut gehackte Zwiebeln mit Chili, etwas scharf aber sehr lecker. Ist mein Favorit, nur wenn mal drei oder mehr Hausübergaben an einem Morgen sind brauche ich kein Mittagessen.

Die Freunde und Verwandte bringen Geschenke zur Hausübergabe mit, meist sind das Figuren von Heiligen die auf einem kleinen Altar aufgestellt werden.    



Ich übergebe der Familie fünf Kilogramm Reis, ein Kilogramm Zucker und ein Kilogramm Gelbe Linsen. Auch Nilushan und ich bekommen von der Familie ein Geschenk überreicht. Damit habe ich dieses Jahr ein Problem,

es ist das erste Mal, dass ich keine Gäste aus Deutschland habe, an die ich diese Geschenke übergeben kann. Ich bekomme diese Sachen nicht alle in meinem Gepäck unter und verteile diese Geschenke an Chandani und meine Vermieterin.

Da wir Probleme mit unserer Zeit haben, es fehlt ja ein Tag, müssen die Arbeiter am Bau die letzten drei Tage arbeiten bis spät in die Nacht. Wegen der langen Arbeitszeit verlangen die Arbeiter einen Zuschlag, was auch verständlich ist. So kosten die letzten vier Häuser zusammen zweihundert Euro mehr.



 


Die letzten beiden Hausübergaben sind  am Freitag, ich übergebe an diesem Tag mein zweihundertfünfundzwanzigste Haus.

Mein Flieger nach Deutschland startet morgen früh  9Uhr55. Ich hatte auch schon Jahre, da war der Rückflug am späten Abend und am Nachmittag hatte ich noch zwei oder drei Hausübergaben.

Heute am letzten Abend kommt Nilushan zu mir, wir machen die Abrechnung und Nilushan gibt mir eine Übersetzung wegen der Zeremonie am Hausbau. Er hat jemanden gesucht der sich mit alten Sitten und der Kultur von Sri-Lanka auskennt. Diese Person hat ihm die Geschichte auf singhalesisch aufgeschrieben, dann musste Nilushan jemanden finden der die Fachbegriffe auch ins englische übersetzen kann. Die hat er mir am letzten Tag übergeben. Ich habe in St. Ingbert einen guten Bekannten der mir alles ins Deutsche übersetzt. Dann werde ich diese Geschichte in mein Tagebuch einfügen.

Es hat wie immer alles gut geklappt und ich kann mit einem beruhigten Gefühl nach Hause fliegen.

Ich konnte im Herbst dieses Jahres:

 

10 Häuser bauen und übergeben.

(insgesamt wurden seit 2004  225 Häuser gebaut und übergeben)

 

3 Betten mit Matratze gekauft und übergeben.

1 große Matratze gekauft und übergeben.

 

Für das Behindertenheim:

100 kg. Reis, 50 kg. Zucker, 50 kg. Linsen

400,00.- € wurden übergeben.

 

Für ein Dorf mit 25 Familien:

Ca. 200 kg. Lebensmittel, Seife und Waschpulver.

 

Für 10 Hausübergaben:

Ca. 100 kg. Lebensmittel.

 

Für Streetpeopel:

25 Lunchpakete gekauft und übergeben.

 

Für eine Schule für Weihnachtsfeier:

50,00.- € gespendet.

 

Wer sich für weitere Informationen interessiert, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen.

 

Heinrich Wellner, Gehnbachstr. 66,

66386 St. Ingbert

Tel. 06894/4761 

E-Mail: heini.wellner@t-online.de

 

Im Internet finden Sie mich unter:

www.heini-wellner.de

 

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